Psoriasis und Klimawandel: Was Betroffene wissen sollten

Psoriasis vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die weltweit etwa 60-100 Millionen Menschen betrifft. Die Erkrankung entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel erblicher Veranlagung, Immundefekten, also Veränderungen im Immunsystem und Umweltfaktoren. Zu diesen Umweltfaktoren gehört auch zunehmend der Klimawandel, mit seinen Auswirkungen auf Temperatur, Luftqualität, UV-Strahlung und Extremwetterereignissen. Warum das für Betroffene relevant ist und was du konkret tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.
Luftverschmutzung ist ein wichtiger Trigger
Die Luftverschmutzung durch Feinstaub und Stickoxide ist einer der wichtigsten Trigger für Psoriasisschübe. 2024 konnte eine große Studie aus Großbritannien mit fast 475.000 Teilnehmern zeigen, dass Menschen mit einer erblichen Veranlagung und gleichzeitig hoher Schadstoffbelastung vermehrt unter Psoriasischüben leiden: Schadstoffe dringen in die Haut ein, aktivieren das Immunsystem und lösen Entzündungsreaktionen mit Schüben aus.(1)
In Deutschland sind die Luftverschmutzungswerte abhängig vom Wohnort: In Großstädten und an vielbefahrenen Straßen ist die Belastung deutlich höher als auf dem Land. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. Länder wie Polen, Norditalien und die Balkanstaaten weisen deutlich höhere Feinstaubwerte auf, da hier weiterhin in hohen Mengen Kohle verbrannt wird, während skandinavische Länder und Irland die niedrigsten Belastungen verzeichnen. (2)
Temperaturextreme verursachen Krankheitsschübe
Das klinische Phänomen der „Verschlimmerung im Winter und Linderung im Sommer“ das ungefähr die Hälfte der Patient:innen mit Psoriasis betrifft ist bekannt. Der Klimawandel mit seinen zunehmenden Temperaturschwankungen kann diesen Effekt verstärken, weil extreme Temperaturen das Hautmikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen.
Was ist das Hautmikrobiom?
Auf der Haut leben Milliarden winziger lebenswichtiger Lebewesen wie Bakterien, aber auch Pilze und Viren. Diese bilden zusammen das sogenannte Hautmikrobiom. Es funktioniert wie ein unsichtbarer Schutzschild, der die Haut als Hautbarriere gesund hält und Krankheitserreger abwehrt. Extremtemperaturen wie starke Hitze bringen dieses empfindliche Gleichgewicht durcheinander und stehen im Zusammenhang mit einer Verschlimmerung von Psoriasis und anderen entzündlichen Hauterkrankungen. Zusätzlich führen hohe Temperaturen zu Austrocknung und Schädigungen der Hautbarriere. Überdies führt der Hitzestress zu einem gestörten Schlaf, der die Juckreizschwelle senkt. Das daraus resultierende Kratzverhalten beeinträchtigt wiederum die Hautbarriere und fördert entzündliche Prozesse.(3,4)
Die Rolle des Sonnenlichts
Sonnenlicht (UV-Licht) spielt bei Psoriasis eine zwiespältige Rolle. In den allermeisten Fällen führt UV-Licht zu einer Verbesserung der Hauterkrankung, da es wie eine Bremse wirkt: Es beruhigt das Immunsystem und verlangsamt die übermäßige Zellteilung. Außerdem regt es die Produktion von Vitamin D an, das zusätzlich entzündungshemmende Eigenschaften hat.
Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann UV-Exposition jedoch paradoxerweise Schübe auslösen. Das betrifft vor allem Menschen mit bestimmten genetischen Varianten — vereinfacht gesagt: einer bestimmten Ausprägung des Immunsystems, die sie lichtempfindlicher macht — sowie Menschen, bei denen gleichzeitig lichtempfindliche Erkrankungen wie eine Polymorphe Lichtdermatose (eine Überreaktion der Haut auf Sonnenlicht) oder ein Lupus erythematodes bestehen. Die klimawandelbedingte Zunahme der UV-Strahlung kann je nach individueller Veranlagung also sowohl schützende als auch verschlechternde Effekte haben.
Klimaangst und psychischer Stress
Der Klimawandel wirkt auch indirekt über psychischen Stress auf die Haut. Klimaangst wird die ausgeprägte Sorge um ökologische Veränderungen genannt, die mit Depression, Angst und Schlafstörungen einhergehen kann. Da psychischer Stress als ein wesentlicher Faktor die Entstehung von Psoriasis-Schüben fördert, kann hier ein Teufelskreis entstehen: Klimaangst führt zu Stress, Stress verschlechtert die Psoriasis, und eine Verschlechterung der Erkrankung verstärkt wiederum die psychische Belastung.
Klimawandelbedingte Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen und Waldbrände gehen mit erheblichen gesundheitlichen Folgen einher. Betroffene erleiden nicht nur Verletzungen und Hautinfektionen, sondern auch akute Verschlechterungen entzündlicher Hauterkrankungen. Diese Ereignisse können indirekt durch Stress, Traumata und veränderte Lebensbedingungen Psoriasis-Schübe triggern.
Was du konkret tun kannst
Der Klimawandel verstärkt die Krankheitsaktivität bei Betroffenen. Luftqualität, Temperaturextreme und psychische Belastungen können den Krankheitsverlauf deutlich beeinflussen. Wer die Zusammenhänge kennt, kann aber gezielt gegensteuern.
Schutz vor Luftverschmutzung
An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung, etwa bei bestimmten Wetterlagen oder in dicht besiedelten Stadtgebieten, kann es sinnvoll sein, Außenaktivitäten zu reduzieren und Stoßzeiten im Straßenverkehr zu meiden. Für stark Betroffene kann auch ein Luftreiniger in Innenräumen eine Überlegung wert sein. Warnapps wie „Luftqualität" des Umweltbundesamtes oder IQAir AIRVisual liefern Echtzeitdaten und Empfehlungen direkt aufs Handy.
Angepasste Hautpflege
Eine konsequente, jahreszeitlich abgestimmte Basispflege kann die Hautbarriere schützen. Im Winter empfehlen sich rückfettende, ölhaltige Produkte, die die Haut stärken. Im Sommer sind leichte, feuchtigkeitsspendende Formulierungen mit höherem Wasseranteil besser geeignet. Ganzjährig gilt: parfümfreie und reizarme Produkte verwenden, um zusätzliche Irritationen zu vermeiden.
Infektionen vorbeugen
Infekte können Psoriasisschübe auslösen und sollten konsequent behandelt werden. Regelmäßiges Händewaschen und ein aktueller Impfschutz, etwa gegen Grippe und COVID-19, können das Risiko senken. Halbjährliche Zahnarztbesuche helfen, stille Entzündungsherde wie Karies oder Zahnfleischprobleme frühzeitig zu erkennen. Bei häufig wiederkehrenden Infekten ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
Klimaangst begegnen
Wer merkt, dass Nachrichten über den Klimawandel zu Stress und Sorgen führen, kann gezielt gegensteuern: konkretes Engagement im Umweltschutz kann das Gefühl der Ohnmacht lindern, bewusste Medienauszeiten schaffen Erholung. Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Atemübungen sowie enge soziale Kontakte sind ebenfalls hilfreiche Anker. Bei anhaltender psychischer Belastung stehen niedrigschwellige Angebote zur Verfügung.
Warum Wissen schützen kann
Psoriasis entsteht von innen — aber sie lebt auch von außen. Luft, Temperatur, Licht, Stress: all das sind keine abstrakten Konzepte, sondern echte Einflussgrößen, die deinen Alltag mit der Erkrankung prägen können. Der Klimawandel verstärkt einige davon. Das klingt erstmal nach einer schlechten Nachricht. Aber Wissen schützt. Wer versteht, warum die Haut auf bestimmte Bedingungen reagiert, kann früher gegensteuern, gezielter pflegen und die richtigen Entscheidungen für sich treffen. Schuppenflechte ist komplex — aber du bist ihr nicht hilflos ausgeliefert.
Quellen
1.Wu J, Ma Y, Yang J, Tian Y. Exposure to Air Pollution, Genetic Susceptibility, and Psoriasis Risk in the UK. JAMA Netw Open. 2024;7(7):e2421665. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.21665
2. European Environment Agency (2023): Air Quality in Europe 2023. Kopenhagen. Online verfügbar unter: https://www.eea.europa.eu/publications/air-quality-in-europe-2023 eea.europa.eu
3. Yang J, Li G, Yue L, Dang E, Qiao P. The Impacts of Seasonal Factors on Psoriasis. Exp Dermatol. 2025 Mar;34(3):e70078. doi: 10.1111/exd.70078. PMID: 40103264.
4. Belzer A, Parker ER. Climate Change, Skin Health, and Dermatologic Disease: A Guide for the Dermatologist. Am J Clin Dermatol. 2023 Jul;24(4):577-593. doi: 10.1007/s40257-023-00770-y. Epub 2023 Jun 20. PMID: 37336870.
