Die Geschichte der Lichttherapie

Schon vor Jahrhunderten beobachteten Menschen, dass Sonnenlicht eine positive Wirkung auf bestimmte Hauterkrankungen haben kann. Wandmalereien und Hieroglyphen aus dem Alten Ägypten zeigen bereits Menschen mit psoriasisähnlichen Symptomen. Doch wie wurde aus dieser frühen Beobachtung eine etablierte Therapieform? Ein Blick zurück in die Geschichte der Lichttherapie.
Mittelalter: Hauterkrankungen zwischen Aberglauben und Fehlinterpretationen
Im Mittelalter wurden Hauterkrankungen oft missverstanden. Viele galten als Zeichen göttlicher Strafe oder als Ausdruck moralischen Fehlverhaltens. Ihre Behandlung beruhte auf der sogenannten Säftelehre, nach der ein Ungleichgewicht zwischen Blut, gelber Galle, schwarzer Galle und Schleim zu Erkrankungen führte. Um dieses Gleichgewicht wiederherzustellen, wurden Aderlässe oder Abführmittel verabreicht – Maßnahmen, die Betroffene eher schwächten als heilten.
Erste Ansätze der Lichttherapie
Schon 150 v. Chr. empfahlen Ärzte wie Galen Betroffenen mit Hauterkrankungen, sich verstärkt dem Sonnenlicht auszusetzen. Doch über Jahrhunderte hinweg wurde diese Erkenntnis eher unbewusst angewendet.
Die Stigmatisierung sichtbarer Hauterkrankungen führte dazu, dass Betroffene aus Städten verbannt oder isoliert wurden. Für Menschen mit Schuppenflechte, die oft fälschlicherweise mit Lepra gleichgesetzt wurde, bedeutete dies ein Leben am Rand der Gesellschaft. Doch unfreiwillig hatte diese Ausgrenzung auch einen Effekt: Wer gezwungen war, sich im Freien aufzuhalten, verbrachte automatisch mehr Zeit in der Sonne – eine unbeabsichtigte, aber wirksame Form der Lichttherapie.
Auch in der Kolonialzeit fiel britischen Ärzten in Indien auf, dass sich Psoriasis-Symptome unter dem Einfluss intensiver Sonneneinstrahlung verbesserten. Diese Beobachtung war ein wichtiger Schritt hin zur gezielten Nutzung von Licht zur Behandlung von Hauterkrankungen.
Der Durchbruch im 20. Jahrhundert
Mit dem 20. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Erforschung der Lichttherapie. 1903 erhielt der dänische Arzt Niels Ryberg Finsen den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeit zur therapeutischen Anwendung von konzentrierter Lichtstrahlung. Erste gezielte Lichtbehandlungen wurden vor allem bei Psoriasis eingesetzt – oft in Kombination mit Teerpräparaten. Bald darauf entwickelten Forscher spezielle Lampen, die das Sonnenlicht nachbilden konnten und eine kontrolliertere Therapie ermöglichten.
Lichttherapie heute: Effektiv, gezielt und schonend
Moderne Lichttherapie nutzt gezielt ultraviolettes Licht (UVB) in einem schmalen Wellenbereich, um Hauterkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis zu behandeln. Im Gegensatz zu früheren Lichttherapieansätzen mit breitem UV-Spektrum wird heute fast ausschließlich Schmalband-UVB mit einer Wellenlänge von 311 nm eingesetzt.
Diese gezielte Methode minimiert Nebenwirkungen wie Hautrötungen oder vorzeitige Hautalterung und ermöglicht eine präzisere, sichere Anwendung. Die UVB-Strahlung wird so dosiert, dass sie die positiven Effekte des Sonnenlichts nutzt – ohne die Haut unnötig zu belasten.
Das Ergebnis? Licht kann Hautbeschwerden nachweislich lindern und Betroffenen eine wirksame, gut verträgliche Therapie bieten.
Mehr als nur Sonnenlicht – die Zukunft der Lichttherapie
Die Lichttherapie hat sich von einer zufälligen Beobachtung zu einer der wichtigsten nicht-invasiven Behandlungsmethoden für Hauterkrankungen entwickelt.
Während frühe Anwendungen auf natürlichem Sonnenlicht basierten, ermöglichen heutige Technologien eine präzise, sichere und individuell anpassbare Therapie. Besonders die Möglichkeit der Heimtherapie macht Lichtbehandlungen für immer mehr Menschen zugänglich – ohne lange Wartezeiten oder regelmäßige Praxisbesuche.
Die Forschung zur Lichttherapie geht weiter: Neue Entwicklungen könnten in Zukunft noch gezieltere Behandlungen ermöglichen, um Hauterkrankungen noch effektiver zu lindern – und das mit immer weniger Nebenwirkungen.
