Sonnenschutz bei Neurodermitis und Psoriasis

Autor*in: Lynn Grünhagen

Stand: 29. Mai 2026

Sonnenschutz für empfindliche Haut bei Neurodermitis und Psoriasis

Wer mit einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung wie Neurodermitis oder Psoriasis lebt, hat in Sachen Hautpflege oft schon viel ausprobiert. Sonnenschutz gehört dabei zu den Maßnahmen, die manchmal ein wenig in den Hintergrund geraten, aber gerade bei empfindlicher Haut besonders relevant sind.

Dieser Artikel erklärt, wie UV-Strahlung auf die Haut wirkt, was hinter dem Lichtschutzfaktor steckt und warum Sonnenschutz während einer UVB-Lichttherapie eine ganz eigene Rolle spielt.

UV-Strahlung: Was auf die Haut einwirkt

Sonnenlicht besteht aus verschiedenen Strahlungsarten. UV-Strahlung macht davon weniger als zehn Prozent aus, ist aber der Anteil der Sonnenstrahlung, der die Haut langfristig am stärksten beeinflusst.

Sie lässt sich in drei Typen unterteilen: UV-A, UV-B und UV-C. UV-C-Strahlung wird vollständig von der Atmosphäre absorbiert und erreicht die Erdoberfläche nicht. UV-B-Strahlung wird zu einem großen Teil von der Ozonschicht gefiltert, ein relevanter Anteil gelangt aber dennoch bis auf die Haut. UV-A-Strahlung hingegen wird kaum gefiltert und dringt tief in die Haut ein.

Wenn UV-Strahlung auf die Haut trifft, reagiert der Körper mit der Produktion von Melanin, dem Farbstoff, der die Haut dunkler werden lässt. Das ist eine Schutzreaktion. Wird die Haut zu intensiv oder zu lange bestrahlt, reicht dieser Mechanismus nicht mehr aus: Es entstehen Zellschäden, die sich kurzfristig als Sonnenbrand zeigen und sich langfristig summieren können. Intensive UV-Belastung über Jahre erhöht das Hautkrebsrisiko und beschleunigt die Hautalterung. Das gilt für jeden Hauttyp. (1)

Lichtschutzfaktor, UVB und UVA: Was eine gute Sonnencreme leisten muss

Der Lichtschutzfaktor, kurz LSF, misst den Schutz einer Sonnencreme vor UVB-Strahlung. Er beschreibt, wie viel länger geschützte Haut braucht, um eine Rötung zu entwickeln, verglichen mit ungeschützter Haut.

Die Schutzleistung steigt dabei nicht linear: LSF 30 filtert rund 97 Prozent der UVB-Strahlen, LSF 50 rund 98 Prozent. Der Unterschied klingt gering, ist aber gerade bei empfindlicher oder erkrankter Haut relevant. Bei Neurodermitis und Psoriasis empfiehlt sich deshalb ein Lichtschutzfaktor von mindestens 50.

Was beim Kauf außerdem wichtig ist: Der LSF sagt nichts über den Schutz vor UV-A-Strahlung aus. Da UV-A tief in die Haut eindringt und dort Bindegewebsfasern schädigt, sollte eine Sonnencreme idealerweise als Breitbandschutz gekennzeichnet sein, also explizit einen UVA- und UVB-Filter bieten. In der EU erkennst du das am UVA-Kreis-Logo auf der Verpackung.

Außerdem gilt: Jede Sonnencreme verliert über den Tag an Wirkung. Schweiß, Wasser und das Abtrocknen tragen sie ab. Deshalb solltest du sie mindestens alle zwei Stunden neu auftragen, nach dem Schwimmen oder Sport entsprechend häufiger. Wasserfeste Produkte bieten dabei etwas mehr Spielraum, ersetzen das Nachcremen aber nicht vollständig.

Sonnenschutz bei Neurodermitis und Psoriasis

Bei beiden Erkrankungen ist die Hautbarriere beeinträchtigt, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Bei Neurodermitis ist die Haut chronisch trocken und reagiert empfindlicher auf äußere Reize. Bei Psoriasis ist das Immunsystem fehlreguliert und die Haut durch Entzündungsprozesse und Schuppung zusätzlich belastet.

Die Beziehung zwischen UV-Strahlung und diesen Erkrankungen ist nicht pauschal negativ: Gezielt eingesetztes UVB-Licht wirkt bei beiden Erkrankungen sogar therapeutisch, was die Grundlage der UVB-Lichttherapie ist. Unkontrollierte Sonnenexposition folgt aber keiner Dosierung und kann die ohnehin beanspruchte Haut zusätzlich belasten. Deshalb bleibt Sonnenschutz auch bei Psoriasis und Neurodermitis wichtig.

Bei der Produktwahl empfiehlt sich für empfindliche Haut eine Sonnencreme mit mineralischem UV-Filter. Mineralische Sonnenschutzmittel legen sich auf die Hautoberfläche und reflektieren UV-Strahlung, anstatt sie chemisch in der Haut umzuwandeln. Das macht sie in der Regel verträglicher als chemische UV-Filter. Auf Duftstoffe und Alkohol sollte verzichtet werden, da beide die Hautbarriere zusätzlich belasten können.

Wie sich Sonne und Jahreszeit auf beide Erkrankungen auswirken, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Psoriasis und Neurodermitis im Sommer.

Sonnenschutz für die Haut während der UVB-Lichttherapie

Wer eine UVB-Lichttherapie durchführt, sollte auf unbedeckten Hautstellen täglich Sonnencreme mit LSF 50+ auftragen. Die gezielte therapeutische Bestrahlung und die zusätzliche UV-Belastung durch natürliches Sonnenlicht summieren sich sonst, was die Haut über das therapeutisch sinnvolle Maß hinaus beansprucht und das Hautkrebsrisiko erhöht. (2, 3)

UV-Schutz im Alltag: Wann Eincremen besonders wichtig ist

UV-Strahlung ist nicht auf den Hochsommer beschränkt. Selbst an bedeckten Tagen erreichen 60 bis 80 Prozent der UV-Strahlen die Haut.

Der UV-Index gibt täglich an, wie hoch die aktuelle Strahlenbelastung ist, auf einer Skala von 1 bis 11. Ab einem Wert von 3 sind Schutzmaßnahmen empfehlenswert. Diesen Wert kann man ganz unkompliziert in der Wetter-App auf dem Handy nachschauen, er wird dort meist direkt angezeigt. In Deutschland wird ein UV-Index von 3 nicht nur im Sommer, sondern auch an vielen Frühlingstagen erreicht. (4)

Mehr dazu, wie du die warme Jahreszeit mit Hauterkrankungen gut überstehst, findest du in unserem Artikel Sommer, Sonne, Hautstress?

Sonnenschutz für die Haut ohne Creme: Weitere Möglichkeiten

Sonnencreme ist nicht die einzige Möglichkeit, die Haut vor UV-Strahlung zu schützen. Textiler UV-Schutz ist eine ebenso wirksame Ergänzung, gerade an Tagen mit hohem UV-Index oder bei längerem Aufenthalt im Freien.

Eng gewebte, dunkle oder speziell zertifizierte UV-Schutzkleidung kann einen großen Teil der Sonnenstrahlung abhalten. Für Kleidung mit dokumentiertem Schutz gibt es den UPF-Wert (Ultraviolet Protection Factor), der ähnlich wie der LSF funktioniert. Eine Kopfbedeckung mit breiter Krempe schützt Gesicht, Ohren und Nacken. Eine Sonnenbrille mit UV-400-Kennzeichnung schützt die empfindliche Haut rund um die Augen.

Auch Schatten ist echter UV-Schutz. Gerade zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die UV-Strahlung am intensivsten ist, lohnt es sich, schattige Bereiche aktiv aufzusuchen. Komplett sicher ist man im Schatten allerdings nicht, da UV-Strahlen von Oberflächen wie Sand, Wasser oder Beton reflektiert werden können.

Sonnencreme und Textilschutz kombiniert bieten den zuverlässigsten Schutz, besonders für Haut, die ohnehin schon empfindlich ist.

Sonnenschutz bei Psoriasis und Neurodermitis: Das Wichtigste im Überblick

  • Bei Psoriasis und Neurodermitis ist die Hautbarriere beeinträchtigt, was die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung macht
  • Sonnencreme mit mineralischem UV-Filter, ohne Duftstoffe und Alkohol ist für empfindliche Haut am verträglichsten
  • LSF 50+ ist bei Hauterkrankungen der empfohlene Richtwert
  • Breitbandschutz wählen: Die Sonnencreme sollte explizit UVA- und UVB-Schutz bieten, erkennbar am UVA-Kreis-Logo
  • Mindestens alle zwei Stunden nachcremen, nach dem Schwimmen oder Sport öfter; wasserfeste Produkte bieten etwas mehr Spielraum
  • Auch an bewölkten Tagen und außerhalb des Sommers eincremen
  • Textilschutz, Schatten und Kopfbedeckung ergänzen den UV-Schutz durch Sonnencreme sinnvoll
  • Wer eine UVB-Lichttherapie durchführt, sollte täglich Sonnencreme mit LSF 50+ auf unbedeckten Hautstellen auftragen

Wer mit Psoriasis oder Neurodermitis lebt, kennt den Balanceakt zwischen dem, was der Haut guttut, und dem, was sie belastet. Sonnenschutz ist dabei kein Widerspruch zur Lichttherapie, sondern ihr Gegengewicht: kontrollierte Bestrahlung therapeutisch, unkontrollierte Sonnenexposition gezielt abgefangen. Mehr zur UVB-Lichttherapie bei Psoriasis und Neurodermitis findest du in unserem Ratgeber Was ist UVB-Lichttherapie?

Hinweis: Dieser Artikel dient zur Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Bundesamt für Strahlenschutz: Warum Schutz vor UV-Strahlung? bfs.de. Aufgerufen am 29.05.2026.
  2. Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Heilendes Licht für kranke Haut: Phototherapie mit UV-A- und UV-B-Strahlen. derma.de. Aufgerufen am 29.05.2026.
  3. Cochrane: Was sind der Nutzen und die Risiken einer Lichttherapie zur Behandlung des atopischen Ekzems? cochrane.org. Aufgerufen am 29.05.2026.
  4. Bundesministerium für Gesundheit: UV-Schutz und Hautkrebsprävention. gesund.bund.de. Aufgerufen am 29.05.2026.
  5. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum: Vor UV-Strahlung schützen. krebsinformationsdienst.de. Aufgerufen am 29.05.2026.
Lynn Grünhagen

Über Lynn Grünhagen

Lynn Grünhagen, Medienwissenschaftlerin (B.A., Universität Groningen) und erfahrene Texterin, bereitet komplexe medizinische Themen verständlich und lesenswert auf.

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